Rabe trifft Raabe!



Interview: Rabe trifft Raabe

Rabe Rabea: Hallo, ich bin das Schulmaskottchen Rabea und wie heißen Sie?

Herr Dr. Raabe: Guten Tag, ich bin Cuno Raabe. Meinen Nachnamen schreibt man mit zwei a.

Aha. Ich werde Ihnen ein paar Fragen stellen, weil sehr viele Kinder in unserer Cuno-Raabe-Schule ganz neugierig sind, etwas über Sie zu erfahren. Ich beginne mal mit: Wann sind Sie geboren?

Am 5. Mai 1888 wurde ich als Sohn des Geheimen Sanitätsrats Wilhelm Raabe und Franziska (geb. Feuerstein) in Fulda geboren. Mein Vater ist Mitbegründer der katholischen Tageszeitung "Fuldaer Zeitung".

Waren Sie in der Schule gut?

Ich ging gern zur Schule, aber ich musste auch immer gut aufpassen. Leider durften wir nicht mit Mädchen zusammenlernen. Heute können Mädchen und Jungen in der Pause auf dem schönen Schulhof zusammen toben sowie im grünen Rabenland etwas entdecken und spielen. Das hätte ich auch gern getan! Nach meiner Schulzeit mit 19 Jahren wurde ich Mitglied der Zentrumspartei. 1910 schloss ich mein Jurastudium in Freiburg, München und Marburg sehr gut ab. Und zwei Jahre später promovierte ich zum Dr. jur.

Donnerwetter, Sie waren in der Schule gut! Wo haben Sie dann gearbeitet?

Ich hatte ja zwei Berufe: Jurist und Politiker.

Von 1912 bis 1914 war ich Referendar an den Gerichten in Hünfeld, Fulda, Hanau und Marienwerder (heute: Kwidzyn, Polen).

1914 bis 1916 arbeitete ich als Gerichtsassessor in Fulda. Ich übernahm eine Vertretung in Hamburg und arbeitete beim Reichsamt des Innern in Berlin sowie in der Kommunalverwaltung in Schöneberg.

1914 bestand ich das Zweite Staatsexamen.

Leider brach in diesem Jahr der 1. Weltkrieg aus. Ich musste zum Militärdienst, wurde aber aus gesundheitlichen Gründen wieder entlassen.

Und dann konnten Sie nicht mehr arbeiten?

Erstmal nicht. 1917 bis 1920 war ich als Magistratsassessor bei der Stadt Berlin auch für die Kartoffel- und Futtermittelversorgung der Stadt zuständig. 2018 endete der 1. Weltkrieg und viele Menschen hatten große Hungersnot. An dieser Stelle konnte ich ihnen gut helfen.

Kartoffeln esse ich nicht so gern, ich esse lieber Nudeln!

Die Kartoffeln sind voller Vitamine, Mineralstoffe und Stärke. Sie machten die Menschen satt. Dann konnten sie wieder ihre Häuser und Städte aufbauen. Das war ganz schön anstrengend und dauerte viele Jahre, bis es wieder für die Familien schön war. Aber jetzt habe ich eine Frage: Was sind Nudeln?

Echt, kennen Sie keine Nudeln?! Das lernen wir schon in der 3. Klasse, dass Nudeln aus Wasser und Getreide hergestellt werden! Da, da macht man so…na so einen Teig und dann…wie soll ich das nur beschreiben? Na so Fäden, Röllchen und so wie Locken.

Ach! Das kenne ich nicht! Das Herstellen der Nudeln bereitet sicher viel Arbeit! Ich hätte sie gern mal probiert.

Und wie ging es dann bei Ihnen weiter?

1920 bis 1926 war ich Stadtrat für Kultur und Soziales in Königsberg. Mit dem damaligen Zweiten Bürgermeister von Königsberg Carl Friedrich Goerdeler war ich gut befreundet.

1926 bis 1929 amtierte ich als Bürgermeister der Stadt Hagen (Westfalen).

In den folgenden vier Jahren war ich als Oberbürgermeister in Hagen tätig.

Na, Sie sind ganz viel herumgekommen und haben viele Städte kennengelernt!

Hatten Sie immer Erfolg in Ihrem Leben?

Ich kämpfte gegen den wachsenden Einfluss der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Unter dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler wurde im Februar 1933 in Hagen eine Wahlkampfrede von Joseph Goebbels mit dem Zusatz "Für Juden und Jesuiten verboten" angekündigt. Ich stellte Goebbels vor die Alternative, den Satz zu streichen oder auf der sogenannten Kuhwiese vor der Stadt zu sprechen. Ich setzte mich durch und verbot die Veranstaltung. Ich war auch gegen das Hissen der Hakenkreuzfahne auf dem Rathaus.

Aber ich wurde dafür im April 1933 (zu Unrecht) bestraft und im August aus dem Beamtenverhältnis entlassen. Heute würde man das arbeitslos nennen. Soziale Unterstützung wie Arbeitslosenhilfe gab es noch nicht, deshalb war ich mit meiner Familie auf die Unterstützung von Verwandten angewiesen. Erst 1938 fand ich eine Anstellung bei einem Brennstoffvertrieb in Königsberg. Von 1941 bis 1944 war ich bei der "Chemischen Fabrik Carl Herzberg - Propanvertrieb KG" tätig.

Wer gehört zu Ihrer Familie?

1930 heiratete ich meine liebe Elli. Elli Hahn. Wir zogen in die Kleinstadt Bonn. Wir hatten eine schöne Zeit miteinander. Leider verstarb meine Ehefrau fünf Jahre später nach der Geburt unserer Tochter Brigitte! Damals war die Medizin noch nicht so weit entwickelt wie heute. Das ist ein ganz trauriges Kapitel in meiner Lebensgeschichte!

Das tut mir sehr leid! Und wie haben Sie es geschafft, damit umzugehen?

Heute würde man wohl sagen, dass ich mich in Arbeit gestürzt habe.

Bereits 1934 schloss ich mich einem politischen Widerstandskreis um meinen Freund Goerdeler an. Für den Fall des Gelingens des Umsturzversuchs vom 20. Juli 1944 war ich als Reichsverkehrsminister vorgesehen. Ja, aber nach dem Scheitern des Attentats wurde ich in Königsberg verhaftet. Bei einem Bombenangriff auf Berlin verbrannte meine Strafakte. So entging ich dem Todesurteil und der Hinrichtung.

Gott sei Dank ging das für Sie gut aus!

Ja, und dann wurde nach dem Zweiten Weltkrieg alles besser. Im September 1945 begann ich mit dem Aufbau der CDU in Hessen und Franken. 1946 wurde ich Vorsitzender der Landesgruppe Fulda. Und dann hatte ich wieder großen politischen Erfolg: Von 1946 bis 1956 war ich Oberbürgermeister meiner Geburtsstadt Fulda und zugleich bis 1952 Mitglied des hessischen Landtags und dessen Vizepräsident. Ich setzte mich besonders für den Aufbau der Schulen, für die Wohnraumbeschaffung und für den Ausbau der Erwachsenenbildung ein.

Ja, daher kenne ich Sie auch so gut. Denn Ihr Bild hängt bei uns im Flur der Schule. Darauf ist zu sehen, dass Sie die prächtige Fuldaer Kette als Oberbürgermeister tragen.

Diese Kette nennt man Amtskette und sie wurde immer zu feierlichen Anlässen getragen. Ja, die friedliche Zeit brachte mir auch persönlich ein zweites Mal Glück. 1947 heiratete ich Dora Stamm. Mit ihr hatte ich viel Kraft zurückgewonnen, die ich für meine politische Arbeit benötigte.

Nachdem ich mich aus dem politischen Leben 1962 zurückzog, verlieh mir meine Vaterstadt die Ehrenbürgerwürde. Im Ruhestand blieb ich Mitglied der Historischen Kommission in Marburg, Mitglied im Ehrenvorstand der Feuerwehr, Kreis Fulda und Vorsitzender beim Deutschen Roten Kreuz in Fulda.

Also, es wurde nicht langweilig!

Keinesfalls! Zu meinen Ehren erhielt ja an meinem 75. Geburtstag eure „Schule am Gallasiniring“ den heutigen Namen „Cuno-Raabe-Schule“. Darauf bin ich richtig stolz!

Das sind wir auch!

Haben Sie noch mehr Ehrungen für Ihre großen Leistungen bekommen?

Das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland erhielt ich bereits 1953. 1967 bekam ich die Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen.

Herzlichen Glückwunsch! Da hat es sich für Sie und für sehr viele Menschen gelohnt, dass Sie sich in der Schule so fleißíg angestrengt haben! Vielen Dank für das nette Gespräch mit Ihnen!

 

Am 3. Mai 1971 starb Dr. Cuno Raabe zwei Tage vor seinem 83. Geburtstag während einer Kur in Gersfeld. Auf dem Fuldaer Friedhof fand er seine letzte Ruhe. Ein Gedenkstein erinnert an ihn.

  

[©Julia Tennstedt: Erdachtes Interview unter Zuhilfenahme historischer Inhalte. Fulda, 2020. Vgl. Susanne Eckelmann: Deutsches Historisches Museum, Berlin, 14. September 2014.] 

 
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